Ein Kulturfestival überwindet Grenzen

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Mag sein, dass der 22. Januar 2016 in die Annalen des Festivals eingeht. Vielleicht ist dieser 22. Januar endlich der Startschuss für eine institutionelle Förderung von „arabesques“. Dem Team um Hauptorganisatorin Barbara Barberon-Zimmermann wäre es auf jeden Fall zu wünschen. Denn zum fünften Jubiläum der deutsch-französischen Veranstaltungsreihe gibt es schon zum Auftakt in der Ballinstadt eine Uraufführung auf höchstem Niveau: Die Auftragskomposition „La Voie de la Beauté“ („Der Weg der Schönheit“) feiert ihre Premiere. Der Komponist Thierry Pécou ließ sich auf seiner musikalischen Suche nach einem Leben in Freiheit unter anderem von Gesängen der Navajo-Indianer inspirieren. Und die Tatsache, dass Pécou sein Werk in eine Oper einbettet, die 2018 in Rouen uraufgeführt werden soll, spricht genauso für die Qualität von „arabesques“ wie die Tatsache, dass Georges Delnon, Intendant der Staatsoper Hamburg, das Festival an diesem Tag als Schirmherr eröffnet.

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Oui, je vais au Salon Français!

Pianistin und Veronique
„Parlez-vous français?“ Ach nee, nicht wirklich. Auch sieben Jahre Schulfranzösisch konnten daran nichts ändern. „Schade eigentlich“, dachte ich mir, als ich die Ankündigung für den „Salon Français“ las. Die neue, zweimonatige Begegnung mit der französischen Künstlerszene in Deutschland machte mich neugierig. Mal Hand aufs Herz: Was wissen wir denn schon über frankofone Künstler? Und nun präsentiert die Schauspielerin und Sängerin Véronique Elling in einer brandneuen Reihe gleich mehrere Könner aus unterschiedlichen Sparten. Inklusive kurzer Talkrunden. Aber leider – auf Französisch. Sollte ich mich trotz schwacher Sprachkenntnisse zur Premiere des Salon Français in den Logensaal der Hamburger Kammerspiele trauen? Ok, die Ankündigung versprach Übersetzungen ins Deutsche. Und so hieß es schließlich: „Oui, je vais au Salon Français!“ Ich habe es nicht bereut. Weiterlesen

…und die DDR hätte auch eine ganz andere werden können

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Was haben Soldatenräte, Grundsicherung, Entmilitarisierung oder die Übernahme von Fabriken durch Arbeiter mit dem Mauerfall zu tun? Für Herbert Mißlitz eine ganze Menge. „Doch die Linke im Westen hat damals nicht erkannt, welche historische Chance sie hatte“, sagt der Historiker, Osteuropa-Wissenschaftler und ehemalige Mitarbeiter in der DDR-Volkskammer. Während eines kleinen Zeitfensters – von Anfang 1989 bis März 1990 – sei die Umsetzung eines tatsächlich demokratischen Sozialismus in der DDR möglich gewesen. „Diese Chance ist aber durch mangelnde gesamtpolitische Verantwortung verspielt worden“, meint der gelernte Stuckateur. Bis auf wenige Ausnahmen seien keine West-Linken in den Osten gereist, um ihre Genossen zu unterstützen. Mißlitz, gebürtiger Ost-Berliner, gehört zu  den Akteuren im damaligen Aufbruch. Er verweigerte den Wehrdienst, organisierte unabhängige Bildungszirkel und schloss sich den „Gegenstimmen“ an. Beim Jour Fixe der Hamburger Gewerkschaftslinken legte er seine Version der Wende dar.

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„buy, buy“ Esso-Häuser: Warum „St. Paulis gute Seele“ starb

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Die „Esso-Häuser“ in Hamburg waren für die Gentrifizierung  ein gutes Beispiel: Finanzschwache Mieter werden aus den Innenstädten der Metropolen vertrieben, damit gewinnmaximierende Luxuswohnungen gebaut werden können. „Die gute Seele von St. Pauli“ nannte ein Bewohner einst „seine“  Esso-Häuser. Mittlerweile sind sie Abriss-Baggern zum Opfer gefallen. Der neue Dokumentarfilm „buy buy st. pauli“ zeigt den Kampf der Bewohner um ihr Zuhause, die Solidarität, die während dieses Kampfes durch die „Initiative Esso-Häuser“ entstand, die vielen Aktionen, die auf die Beine gestellt wurden, um die über 50 Jahre alten Gebäude zu retten und die Hoffnung, dass doch noch etwas Gutes aus alldem entstehen kann. Der Film gibt aber auch die Ansichten der Bayerischen Hausbau und dem Hamburger Bezirksamt Mitte auf der anderen Seite wieder. In 88 Minuten präsentieren die beiden Sozialarbeiter Irene Bude und Olaf Sobczak sowie Steffen Jörg von der GWA St.Pauli die markantesten Szenen aus ihrem über drei Jahre hinweg gedrehten Material. Herausgekommen ist eine berührende Dokumentation über ein Stück Zeitgeschichte. Sie feiert am 2. November Premiere im Ballsaal (Südtribühne) des FC St.Pauli. DerSpotnik traf sich mit Olaf Sobczak zum Interview im Café Geyer. Weiterlesen

Union Busting – oder wie mache ich meine Arbeitnehmer fertig?

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Rechte: Otto-Brenner-Stiftung

Um ihre Brötchen zu verdienen, setzen Fachanwälte, Medienagenturen, Detekteien und Personalabteilungen schon längst nicht mehr nur auf ihre Kernkompetenzen. Vor einigen Jahren entdeckten sie das amerikanische „Union Busting“ (Union = Gewerkschaft, „Busting“, von „to bust“ = sprengen). Darunter versteht man etwa die Verhinderung oder Manipulierung von Betriebsratswahlen, Vorteilsgewährung für unternehmerfreundliche Betriebsräte, Kündigungen oder gezieltes Mobbing selbstbewusster Arbeitnehmer und die Verhinderung von kritischen Presseberichten. Publizist Werner Rügemer und Journalist Elmar Wigand recherchierten, inwieweit das Phänomen in Deutschland verbreitet ist. Im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung (OBS) schrieben sie die Studie „Union-Busting in Deutschland“. Ihr Buch „Die Fertigmacher – ArbeitsUnrecht und professionelle Gewerkschaftsbekämpfung“ erschien im Oktober 2014 bei papyrossa. Auf Einladung der Hamburger Gewerkschaftslinken und ver.di Fachbereich 13 erläuterte Elmar Wigand im Hamburger Curiohaus seine Recherchen . „Ich war richtig wütend über die gravierenden Ungerechtigkeiten, auf die ich gestoßen bin“, sagte er. Wigand & Co wollen mit ihrer Initiative aktion ./. arbeitsunrecht nun eine Gegenstrategie entwickeln.
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