Ein Kulturfestival überwindet Grenzen

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Mag sein, dass der 22. Januar 2016 in die Annalen des Festivals eingeht. Vielleicht ist dieser 22. Januar endlich der Startschuss für eine institutionelle Förderung von „arabesques“. Dem Team um Hauptorganisatorin Barbara Barberon-Zimmermann wäre es auf jeden Fall zu wünschen. Denn zum fünften Jubiläum der deutsch-französischen Veranstaltungsreihe gibt es schon zum Auftakt in der Ballinstadt eine Uraufführung auf höchstem Niveau: Die Auftragskomposition „La Voie de la Beauté“ („Der Weg der Schönheit“) feiert ihre Premiere. Der Komponist Thierry Pécou ließ sich auf seiner musikalischen Suche nach einem Leben in Freiheit unter anderem von Gesängen der Navajo-Indianer inspirieren. Und die Tatsache, dass Pécou sein Werk in eine Oper einbettet, die 2018 in Rouen uraufgeführt werden soll, spricht genauso für die Qualität von „arabesques“ wie die Tatsache, dass Georges Delnon, Intendant der Staatsoper Hamburg, das Festival an diesem Tag als Schirmherr eröffnet.

 

Von Kerstin Völling

 

Bis zum 27. Februar noch verbreitet sich über ganz Hamburg „Culture sans frontières“ (Kultur ohne Grenzen). Fünf Wochen lang präsentieren frankophone und frankophile Künstler und Kulturschaffende aus Norddeutschland Projekte, die im Austausch mit französischen und internationalen Künstlern entstanden sind. Über 40 Veranstaltungen mit Musik, Literatur, Theater, Film, Kunst und Debatten stehen auf dem Programm. Und pünktlich zum kleinen Jubiläum werden erstmals Arbeiten präsentiert, die unter einem Motto entstanden: „Les grands ports („die großen Häfen“) – Heimat und Exil“. Schlagwörter wie „Identität“, „Grenzen“ und „Entfremdung“ und die Frage, wie mit Zivilcourage und Kritikfähigkeit ein verantwortungsvoller Umgang mit dem „Anderen“ gelebt werden kann, rücken in den Fokus. „Les grands ports“ ist auch eine Anspielung auf das, was Hamburg und seine Partnerstadt Marseille verbindet: Ein großer Hafen nämlich.

Für Barbara Barberon-Zimmermann ist der Auftakt 2016 der vorläufige Höhepunkt einer Veranstaltungsreihe, deren Erfolg sie schlicht überrollte.

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Die Initiatoren Nicolas Thiébaud und Barbara Barberon-Zimmermann.           Foto:arabesques

 

Eigentlich sollte es nur eine Art Rahmenprogramm werden. „2011 wandte sich Nicolas Thiébaud, Solooboist bei den Philharmonikern Hamburg, an mich“, erzählt Barbara Barberon-Zimmermann. „Er bat mich, rund um eine Konzertreihe weitere Veranstaltungen zu organisieren und so die Klassik mit kulturgeschichtlichen Aspekten zu verbinden.“ Das kam gut an. Schnell sei man dann auf die Idee gekommen, „etwas Großes“ zu machen – ein Kulturfestival. „Ich habe lange in Frankreich gelebt, kannte als Journalistin viele Künstler, auch Maler und Filmemacher“, erzählt Barberon-Zimmermann. Mit 25 Veranstaltungen sei „arabesques“ dann im Jahr 2012 gestartet. „Der Erfolg war riesig“, beschreibt die Organisatorin. „Das Publikum war begeistert und sofort bekamen wir Anfragen von vielen Künstlern.“ Aus einer Initiative aus der Zivilgesellschaft heraus, die in Hamburg lebende Künstler fördern wollte, sei mittlerweile ein Netzwerk mit vielen Institutionen wie Stiftungen und der Stadt Hamburg geworden.

Nicht ohne ein gewisses Niveau

Sowohl Barberon-Zimmermann als auch Thiébaud legten jedoch von Anfang an Wert auf Qualität. „Uns müssen die Künstler nachweisen, dass sie schon ein gewisses Niveau mitbringen“, erklärt die Veranstalterin. Und das gelte genreübergreifend. So präsentieren beim diesjährigen Festivalprogramm nur ausgewählte Interpreten ihre Arbeiten zum Thema „Heimat“:

Unter dem Titel „HeimatHafen Hamburg“ spielt etwa das deutsch-französische Ensemble „arabesques“ klassische Kammermusik (9. Februar, Lichtwarksaal).

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„arabesques“ spielen Klassik.                                                                                          Foto:arabesques

 

Mit dabei ist auch der Festival-Co-Initiator Nicolas Thiébaud an der Oboe. Wie Exil zur Heimat wird, beschreibt musikalisch die Sängerin Marie-Laure Timmich am Weg des jüdischen Komponisten Kurt Weill von Berlin über Paris in die USA (12. Februar, MS Stubnitz). Beim Poetry Slam reflektieren der aus Senegal stammende Beatbox-Meister Beasty, der französische Slamer Maras und der Hamburger Wortakrobat Armin Sengbusch ( besser bekannt als „Schriftstehler“) über das „Woher“ und „Wohin“ (9. Februar, Katharinenkirche).

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Beat-Box-Meister Beasty aus dem Senegal.                                                                Foto:arabesques

 

Die Fotografen Nathalie L. Brochard und Hervé Dieu stellen Bilder von deutsch-französischen Paaren aus und fragen „Wo und was ist überhaupt Heimat?“ (26. Januar, HamburGGalerie, bis 31. Januar). Und die internationale Graffiti und Street Art- Ausstellung wirft einen Blick „Über die Mauer hinaus“ (5.Februar, Live-Act im Studio Longboard, danach bis zum 12. Februar auf dem MS Stubnitz).

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Graffiti-Kunst über “ die Mauer hinaus“.                                                                     Foto:arabesques

„Uns ist es wichtig, dass wir uns nicht nur auf französische Künstler beschränken, sondern dass wir vom französichsprachigen Raum aus einen Impuls senden, der Grenzen überwindet“, sagt Barbara Barberon-Zimmermann.

Da werde auch vor Politik nicht Halt gemacht: „Wohin steuert Europa?“ heißt die Veranstaltung in der Bucerius Law School mit Olaf Scholz, Erster Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, und Pierre-Yves Le Borgn, Abgeordneter der Assemblée Nationale für die im Ausland lebenden Franzosen. Sie diskutieren über die Herausforderungen und Perspektiven der deutsch-französischen Beziehungen als Motor der Europäischen Integration (10. Februar, Auditorium der BLS).

Eine eher humorvolle Sicht auf die Themen Flüchtlingskrise, Völkerverständigung und Nationalismus hat dagegen der preisgekrönte Hamburger Historiker und Kabarettist Sebastian Schnoy in seiner Veranstaltung „Mann an Bord – Hauptsache Europa“ im Indochine (11. Februar) zu bieten.

Der Höhepunkt: Französischer Aktionstag im Stilwerk

Pure Französische Lebensart verspricht ein Besuch bei den French Design Weeks im Stilwerk. Höhepunkt bildet der französische Aktionstag am 6. Februar mit französischen Design-Klassikern, kulinarischen Köstlichkeiten und französischen Chansons.

„Das Programm auf die Beine zu stellen, ist ein Fulltime- Job“, sagt Barbara Barberon-Zimmermann. „Und die Kosten wachsen mit dem Erfolg.“ Dabei solle der hohe Anspruch beibehalten werden. „Wir haben längst einen Verein gegründet, um die Arbeit strukturiert anzugehen und zu bewältigen.“ Weitere Sponsoren würden jedoch weiterhin gesucht. Barbara Barberon-Zimmermann: „Mittlerweile arbeiten wir auch gut mit Städten aus der Metropolregion wie Stade, Elmshorn oder Neumünster zusammen.“ Ebenso seien Gespräche mit Kiel aufgenommen worden.

Das vollständige Festivalprogramm mit Zeitangaben und weiteren Veranstaltungen wie bretonischer Lyrik, einer filmischen Tunis-Reise, Jazz, der Zauberflöte für Kinder und vielem mehr gibt es unter: http://www.arabesques-hamburg.de/festival-2016/

Festivalkarten sind bei der Konzertkasse Gerdes erhältlich unter Tel. 040-45 33 26 oder 040-44 02 98 sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen, soweit nicht anders bei den Veranstaltungen im Programmheft verzeichnet.

Der Name „arabesques“ stammt aus der arabischen Ornamentkunst, in der kalligrafische und natürliche Formen ein facettenreiches Gesamtbild ergeben. Der Begriff hat Eingang in den europäischen Kulturraum gefunden und bezeichnet diverse Kunstformen.

Das Festival wird unterstützt von der Stadt Hamburg, der Kulturbehörde Hamburg, der ZEIT- Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, der Alfred-Toepfer-Stiftung, der Carl-Toepfer- Stiftung, der Körber-Stiftung, der Herbert-Weichmann-Stiftung, dem Deutsch-Französischen Jugendwerk, der Französischen Botschaft in Berlin, dem Institut Français Allemagne, der Deutsch-Französischen Gesellschaft Cluny e.V., dem französischen Verein Hambourg Accueil e.V., dem Verein der Bretonen in Hamburg ABBAN e.V., dem Deutsch-Französischen Geschäftsleutekreis Amicale de Hambourg e.V., den Initiativen French Connection Hamburg, MonHambourg, Les français du monde und zahlreichen Förderern.

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